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Herzlich willkommen bei den Evangelischen Friedhöfen in Solingen

Evangelische Friedhöfe sind Orte, an denen Erinnerungen lebendig werden. Wir laden Sie ein, diese Orte kennen zu lernen und sich über die Leistungen der Evangelischen Friedhöfe in Solingen zu informieren. Menschen, die trauern, finden hier Orientierung bei Fragen zum Thema Bestattung und Wahl der Grabstätte – ebenso wie Unternehmen, die mit der Bestattung betraut sind.

Ein Ort des Gedenkens und der Natur
Die Friedhofskultur befindet sich im Wandel. In Ohligs versucht die Kirchengemeinde, darauf zu reagieren. Sie versteht ihren Friedhof nicht mehr nur als Gedenkort, sondern auch als liebenswerten Raum in der Natur.


Seit einigen Jahren befindet sich die Bestattungs- und Friedhofskultur in einem tiefgreifenden Wandel. Das hat gravierende Auswirkungen auf die Friedhöfe – auch auf die neun Solinger Friedhöfe in evangelischer Trägerschaft. Die Evangelische Kirchengemeinde Ohligs hat jetzt in einem Pressegespräch über neue Entwicklungen informiert. Und über Maßnahmen, mit der sie auf die gewandelte Situation auf ihrem Evangelischen Friedhof Bonner Straße reagieren will.

 

Weniger Einzelgräber, mehr Rasengräber
So verzeichnet auch der Ohligser Friedhof seit einiger Zeit eine veränderte und vielfältigere Trauer- und Bestattungspraxis. Wo es in früher Jahrzehnten selbstverständlich war, dass sich Einzel- oder Doppelgräber aneinanderreihten, die regelmäßig von Angehörigen oder in Ausnahmefällen von einer beauftragten Friedhofsgärtnerei betreut wurden, hat heutzutage die Nachfrage nach pflegefreie Rasenfeldern stark zugenommen. Die Zahl der Sargbestattungen geht zurück, dafür werden Urnenbeisetzungen immer mehr. Auch an der Bonner Straße werden viele Grabstätten an den Friedhof zurückgegeben, große Grabstätten auf Antrag verkleinert und neue Grabstätten in diesen Bereichen kaum noch gekauft. „Diese Entwicklungen haben den Gesamteindruck des Friedhofs über die Jahre gravierend verändert“, erklärt Michael Reichert, Presbyter und Vorsitzender des Friedhofsausschusses der Evangelischen Kirchengemeinde Ohligs. Sie hätten zu einer optischen Zerklüftung der Grabfelder mit vielen kleinen Rasenstücken und großen Rasenfeldern geführt.

 

Angebot auch für Naturliebhaber
Wie auf anderen Friedhöfen wird darum auch in Ohligs versucht, bei den durch solche Entwicklungen notwendig gewordenen Anpassungen die Friedhöfe nicht mehr nur als Orte der Trauer, sondern auch als grüne Oasen in der Stadt zu verstehen und weiterzuentwickeln. Der Friedhof soll nicht nur ein Angebot sein für Menschen, die ihrer Verstorbenen gedenken möchten, sondern auch für solche, die sich einfach gerne in der Natur aufhalten. Die Ohligser Kirchengemeinde hat darum ihren Friedhof optisch aufgewertet und an einigen Stellen naturalisiert. So wurden neue Pflanzen im Eingangsbereich gesetzt, Wildblumenfelder angelegt, auf großen Rasenflächen junge Bäume gepflanzt, auf ungenutzten Flächen in Grabfeldern Büsche gepflanzt. „Dabei haben wir auch die Zusammenarbeit mit örtlichen Imkern gesucht“, betont Friedhofsgärtner Manuel Martitz, der den Friedhof verwaltet.

 

Neues Baumbestattungsfeld
Aber auch den Wünschen nach neuen Formen der Bestattung wurde jetzt weiter Rechnung getragen. „An uns wurde immer wieder die Anregung herangetragen, für Urnen auch ein Baumbestattungsfeld anzulegen“, erzählt Klaus Hammes, der als einer der Pfarrer viel mit den Menschen in der Ohligser Kirchengemeinde spricht. Diesen Wunsch hat die Kirchengemeinde nun mit einem entsprechenden neuen Grabfeld erfüllt.

 

Orthodoxe Bestattungen möglich
Ein besonderer Wunsch kam aus den orthodoxen Gemeinden im Ohligser Umfeld. Bislang war es auf den Friedhöfen schwierig, Verstorbene gemäß orthodoxen Traditionen zu bestatten und in einer Trauerfeier zu verabschieden. „Hier waren wir in einem guten ökumenischen Geist gerne behilflich“, betont Pfarrer Hammes. In enger Abstimmung mit den orthodoxen Glaubensgeschwistern sei ein besonderes Grabfeld angelegt worden. Außerdem seien die Voraussetzungen geschaffen worden, dass in der Friedhofskapelle des Bonner Friedhofs zukünftig Trauerfeiern nach orthodoxer Tradition stattfinden können.

Unser Bestattungsspektrum auf dem Friedhof Kasinostraße ist erweitert worden. Wir kommen damit dem wachsenden Wunsch nach pflegeleichten aber naturnahen Gräbern nach.

 

Ab sofort können auch auf diesem Friedhof Baumbestattungen für Urnen angeboten werden. Bei dieser Grabform wird die Urne an den Wurzeln eines Baumes beigesetzt. Das Grabfeld mit Zierkirschen und Blutpflaumen ist nun eingerichtet, Rasen ist eingesät, und in nächster Zeit soll noch eine Bank zum Verweilen aufgestellt werden.

 

Baumurnengräber bieten wir außerdem bereits auf den Friedhöfen Grünbaumstraße, Regerstraße, Ketzberg, Widdert, Bonner Straße und Wissmannstraße an.

Bedauerlicher Vorfall, aber Fortsetzung im Jahr 2021

“Ich beobachte die Bienen gern. Ich bin völlig begeistert!” Gerhard Oberstraß ist Imker. Eines seiner Völker konnte er im Sommer 2020 in der hinteren Ecke auf dem Ketzberger Friedhof aufstellen. Der Standort ist geeignet, weil die Bienen dort ideale Lebensbedingungen haben: hinter der Friedhofshecke sind Felder, es gibt viele Wildblumen und auf dem Friedhof sind bienenfreundliche Pflanzen wie Lavendel. “Bienen haben einen Radius von zwei bis drei Kilometern. Hier finden sie alles”, sagt der 71jährige Oberstraß, der früher als Besteckschleifer arbeitete.

 

Beobachten auf Distanz
Bienen sind friedliche Tiere. “Sie stechen nur, wenn sie einen Grund haben”, weiß Oberstraß, nämlich wenn sie bedrängt oder gequetscht werden. Man kann Bienen gefahrlos aus einiger Entfernung beobachten. Dann sieht man, wie das Flugloch von Wächterbienen geschützt wird, oder wie Bienen mit viel Blütenstaub an den Beinen herangeflogen kommen. Das Bienenvolk besteht aus weiblichen Arbeiterbienen, die die Königin und die Larven versorgen. “Na Mädels”, begrüßt Gerhard Oberstraß seine Bienen, um die er sich regelmäßig kümmert. Er hat das Imker-Handwerk von seinem Schwiegersohn erlernt, der sich seit 15 Jahren für Bienen engagiert. Ein Bienenvolk ist ein sensibles Ganzes, es besteht aus 5.000 bis 50.000 Einzeltieren, deren Zusammenarbeit fasziniert.


Die Bienenstöcke hat der Imker vor dem Winter vom Ketzberger Friedhof abgeholt und bereitet sie vor, im nächsten Jahr wieder dort aufgestellt zu werden. Leider gab es einen unerfreulichen Zwischenfall, der dem Bienenvolk das Leben kostete: offenbar hat jemand unbefugt den Deckel des Bienenstocks geöffnet, dabei ist Ameisensäure verschüttet worden, die eigentlich gegen Milben schützt. Die veränderte Dosis der Säure hat dem sensible Bienenvolk nicht gut getan.

 

Respekt vor sensiblem Bienenvolk
Der Schaden ist auf Unachtsamkeit und Unkenntnis zurückzuführen, deshalb rät Imker Oberstraß, den Bienenstock nicht zu berühren. Die Absperrung darf nicht überwunden werden und auf keinen Fall soll jemand den Deckel öffnen. Ab Frühjahr 2021 soll es wieder ein Bienenvolk auf dem Ketzberger Friedhof geben. Einmal mehr zeigt sich, dass der Friedhof nicht nur ein Platz für Verstorbene ist, sondern auch ein natürlicher Lebensraum von ökologischem Wert.

 

Text: Bleckmann
Foto: Oberstraß, Bleckmann